Pressemeldung vom 18. Juli 2011

Windkraft: Grüne antworten Landesverband Gegenwind

In den LN, Ausgabe vom 26. Juni, ist ein Interview mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes Gegenwind, Frank Jurkat aus Schiphorst, Kreis Herzogtum Lauenburg, abgedruckt. Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen hat sich mit der Argumentation von Jurkat gründlich auseinandergesetzt. Holger Bartsch, Sprecher der Kreisgrünen sagt dazu: „Wir unterstützen die berechtigten Ansprüche der Bürger bei der Ausweisung von Windparks. Auf keinen Fall dürfen Schäden an der Gesundheit und Störungen im Wohnumfeld in Betracht gezogen werden. Doch gerade deshalb bedarf es einer ernsthaften Prüfung und keiner generellen Anprangerung der Windkraft. Eine Beurteilung des Nutzens der Windkraft ist nicht über Allgemeinplätze wie Unfug zu bekommen. Dazu ist es unerlässlich in die Detailfragen zu gehen. Wenn man dies tut, kommt man unter dem Strich zu einem eindeutigen positiven Ergebnis. Herr Jurkat hat dies in seinem Interview leider versäumt. Die nicht mit Fachargumenten hinterlegte Einschätzung, dass Windkraft sowohl ökonomisch als ökologisch unsinnig ist, ist unhaltbar.“ Die Grünen haben die Thesen zusammengefasst und eine Entgegnung dazugesetzt.

These 1: Windkraft ersetzt keine Kernenergie.
Antwort: Zurzeit wird die Hälfte des Strombedarfs in Schleswig-Holstein (SH) aus Windkraft gedeckt, ca. 40 Prozent des verbrauchten Stroms kommen aus Kohle-/Atomenergie und der Rest (10%) aus Biogas, Erdgas, Müllverbrennung sowie Photovoltaik. Aktuell hat das Land noch große Überschüsse an Kohle- und Atomstrom. In Deutschland hatte Wind im Jahr 2010 einen Anteil von 6,2% am Bruttostromverbrauch, Atomstrom stand mit 22,4% zu Buche.

These 2: Wenn kein Wind bläst, gibt es keinen Windstrom.
Antwort: Da SH aktuell einen Stromüberschuss hat, kann es problemlos die Spitzen und Tiefen des Windstroms mit Regelstrom u. a. auch durch den Einsatz von Erdgaskraftwerken ausgleichen.

These 3: Windkraft wird in Zukunft keine Rolle spielen.
Antwort: Gerade Wind wird die hervorragende Rolle spielen. Durch einen Zubau von Windanlagen und mit Wegfall der Atomkraftwerke wird es auch in Zukunft keine Engpässe in der Stromversorgung geben. Im Gegenteil, der Anteil des Windstroms könnte sich mehr als verdreifachen, der Kohleanteil sollte auffällig zusammenschrumpfen, während Photovoltaik und Biogas leichte Zuwächse erhalten. Durch einen Ausbau der Speichertechniken lässt sich der überschüssige Windstrom für den Ausgleich von Windlücken sinnvoll verwenden.

These 4: Bürgerwindparks erreichen nicht die notwendige Beteiligung.
Antwort: 90 Prozent der Windparks in Nordfriesland sind Bürgerwindparks. Das Beispiel zeigt, dass solche Vorhaben möglich sind. Die Höhe der Bürgerbeteiligung ist eine Frage der Überzeugung und keine statische Vorgabe. Eine Anleitung zur Finanzierung findet sich auch im „Leitfaden Bürgerwindpark“ http://www.windcomm.de/Downloads/Leitfaeden/Leitfaden-Buergerwindpark.pdf

These
5: Windkraft ist ökologischer und ökonomischer Unfug.
Antwort: Aus ökologischer Sicht sind Kohle- und Atomkraft wegen der klimatischen und strahlenbedingten Schäden indiskutabel. Windenergie hat gegenüber Kohle ein riesiges CO2-Einsparpotential. Auch im Vergleich mit Atomenergie schneidet Wind in der CO2-Frage besser ab. Ob Windräder hässlicher sind als Strommasten oder andere technische Einrichtungen zur zentralen Stromversorgung, ist eine Abwägungssache. Das Land hat mit der Herausgabe von Leitlinien zur Berücksichtigung ökologischer Belange bei Windenergieplanungen schädlichen Auswirkungen einen Riegel vorgeschoben. Bleiben noch Wasserkraft, Biogas und Photovoltaik. Die Anteile der letzten drei Komponenten sind begrenzt. Allein Photovoltaik könnte langfristig den Anteil erheblich steigern. Ökonomisch liegt Jurkat völlig daneben. Laut einer aktuellen Studie von Greenpeace hat Windstrom neben Wasserkraft die geringsten Gestehungskosten. Alle anderen, insbesondere auch Atom-, Kohle- und Gasstrom liegen weit höher.

Die Grünen fragen Gegenwind: „Wie soll denn ohne Windenergie der Strom der Zukunft fließen? Öl- und Erdgasvorkommen sind endlich. Wir müssen uns ernsthaft um die Versorgung der Zukunft Gedanken machen und handeln. Als Alternative zu Wind hat Jurkat nur Geothermie zu bieten. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Mit Windenergie erzeugt man Strom, und bei den Erdbohrlöchern geht es um Wärme.“

URL:http://gruene-kv-lauenburg.de/presse-bis-2015/pressemeldungen/18072011/